Neue Fotos sind online!

Neue Fotos Blue Devils

Lach- und Sachgeschichten

Lach- und Sachgeschichten

Schnell gelinkt!

Kicktipp.de Schalke 04 Homepage

Bericht über die Fahrt nach Berlin

Es war der 11.05.2002. Die „Fahrt des Jahres" stand bevor. Jochen und ich ließen extra für diesen Anlass von Nicole Mönter die Haare blau färben. Nur die wenigsten können sich wahrscheinlich daran erinnern, dass am 09. und 10.05. Schützenfest in Bramsche war. Aber so war es. Dementsprechend sahen auch die Gesichter (und andere Körperteile) beim Treffen in den frühen Morgenstunden des 11.05. aus. Ich wundere mich bis heute, warum keiner in „Grün" mitgefahren ist. Vermutlich war es eiserne Selbstdisziplin und grenzenlose Liebe zum großen F.C. Schalke 04. ...wie auch immer...

Pünktlich waren fast alle. Der eine sah etwas mehr und der andere etwas weniger angeschossen aus. Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass die überwiegende Mehrheit noch pissvoll war.Ein paar Lobeshymnen auf den vorigen Abend, schnell Bier in'n Bus und ab ging die wilde Fahrt.

Das Ziel hieß Berlin! Eine Fahrt in die Hauptstadt. 7 Stunden Busfahrt lagen vor uns.

Die Mehrheit von uns untersuchte die eigenen Augenlieder auf innere Verletzungen, träumend vom Finalsieg. Dieses war jedoch absolut zu entschuldigen, denn es lagen ja brutale 48 Stunden Schützenfest in den Knochen.

Aber da waren auch noch 4 kleine Randalebrüder im Bus, die offenbar noch nicht genug hatten. Günter Lager, Frank Marx, Helmut Moss und Dirk Tegeder spielten den brutalsten, heißesten Doppelkopf von hier bis Haren-Erika. Gespielt wurde zum Leidwesen der anderen mit „bölken" (plattdeutsch für laut schreien) und dazu Pils!!!

 

Es war eine schier endlos scheinende Busfahrt in den viel zu aufwendig sanierten Osten...egal...

Mittags waren die meisten ausgeschlafen und nach einer „Schneizelpause" mit Pils wieder fit.

 

Schriftführer und Reiseleiter Frank Marx versprach nur das Beste vom Besten. „Verpflegung und Unterkunft seien unserer würdig" so hieß es.

 

Endlich am Hotel angekommen, traf uns aber der Schlag. Das Hotel hieß „Zum alten Hirten" und so sah es von draußen auch aus....

 

„Was bitteschön ist das denn für eine Räuberhöhle???"

„Gut gemacht Frank Marx!!!"

 

Der Schreck lag uns noch in den Knochen. Da eilte auch schon die holde Wirtin um die Ecke. „Oh mein Gott....." Eine wirklich üble Laune der Natur.

 

Aber egal!! Es war ja schließlich ein Hotel (????) und kein Bordell. Die Chefin führte uns hinein. Erst einmal wurden Getränke in der „Hotellobby" bestellt. Es stellte sich schnell heraus, dass das Hausgetränk Whisky-Cola in 0,5 Liter Gläsern war. Da schüttelte sich sogar Günter Lager.

 

Nach der ersten Erfrischung in Berlin führte uns die Wirtin auf die Zimmer. Ich öffnete die Zimmertür und mir kam es wirklich so vor, als wenn der Hirte höchstpersönlich mit seiner Schaafherde vor Ort gewesen wäre. Ich habe schon viel Elend gesehen, aber das übertraf alles.... So eine unlieb aufgestellte Sammlung von Sperrmüll hatte ich noch nie gesehen. Für Helmut Moss war das alles gar kein Problem. Er als alter Fenstermonteur war, nach eigener Auskunft, noch viel Schlimmeres gewöhnt. Ich fragte mich allerdings nur: „Wie geht das denn bitte schlimmer???" Dass es auf unserer gesamten Etage nur eine Dusche und ein WC für alle Gäste gab, viel mir zunächst erst gar nicht auf. Dazu aber nachher noch mehr....

 

Na ja, war ja auch egal.... Wir waren schließlich hergekommen, um den DFB Pokal zu holen und nicht angereist, um gut zu nächtigen und zu speisen.

 

Schnell dit Jepäck uffe Stube (wie der Berliner sagt) und dann ab zum Kuhdamm.

Da war die größte Schalker Partymeile, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Mittendrin ein Haufen Bauern aus Bramsche!

 

Wir hatten schnell einen schmucken Biergarten gefunden, der das bot, was wir nötig brauchten..... Bei herrlichem Sonnenschein genossen wir den Nachmittag inmitten tausender blau weißer Artgenossen. Ein Fangesang jagte den anderen. Der Kuhdamm war komplett blau und weiß. Doch halt, was kam da denn um die Ecke. Circa 20 kleine Jungs (im Alter zwischen 8 und 12) mit ihrer (vermutlichen) Kindergärtnerin. Alle in Leverkusen-Trikots. Da es kleine Kids waren, sagte allerdings keiner was. Doch dann kam Frank Marx. Er schrie gleich los: „Ihr steht auf Schwänze und nicht auf Busen, ihr seid die Fans von Bayer Lerverkusen!" Tausend Besoffene Kehlen grölten: „Ole ole, ole ole, ole ole ole ole!!!!"

Ich denke die Kinder haben seid diesem Tag ein schweres S04 Trauma! Vier, fünf Bierlängen später entschloss man sich, mit der U-Bahn zum Stadion zu fahren.

 

Irgendwann, später am Nachmittag, waren wir am Stadion angekommen. Erstmal jeder nen´ Schal für nen´ Zehner. Dazu Pils. Im Stadion (das sich mitten im Bau befand) lief das DFB Pokalfinale der Frauen. Laaaaaaaangweilig. Womit sollte man sich nur die Zeit verreiben. Gott sei dank hatte Helmut da ne´ Idee.....

 

Irgendwann war das Spiel dann zu Ende. Ich weiß nicht, wer gegen wen gespielt hat, und auch, wer gewonnen hat, ich war nur froh, dass die Frauen fertig waren und der Rasen nicht allzu sehr beschädigt wurde.

 

Das Stadion füllte sich mehr und mehr. 70.000 waren letztlich drin. Davon waren mindestens 50.000 Schalker. Vor dem Anstoß hatte der große(?) Ronan Keating seinen Auftritt, der von der Knabencombo Boyzone. Doch zum Glück funktionierten die Boxen noch nicht und so mussten wir ihn nur sehen und nicht hören. Ich hab mir später sagen lassen, dass die TV Zuschauer ihn auch hören mussten. Ein Glück kann man die Lautstärke am TV regeln....

 

Danach liefen die Schalker Jungs, unter tosendem Beifall, ein und das Fest konnte beginnen. Neben und um uns herum saßen ein paar absolute Ruhrpottasoziale. Ca. 20 Mann, insgesamt 10 gesunde Zähne, 300 Tätowierungen und 100 Jahre Knast... Einer von ihnen bestand auf seinem Stehplatz (obwohl er Sitzplatz hatte). Sein Argument war immer: „Sitzen is für´n Arsch. Scheiß Tennispublikum..." Ein Glück saß (stand) der Kollege vor Hannes und nicht vor mir.

 

Dann kamen dann auch schon die Schiedsrichter und das Spiel des Jahres konnte beginnen.

 

Ich muss ehrlich sagen, Schalke hatte von den ersten 25 Minuten gar nichts. Der Tennissportverein aus Leverkusen war deutlich überlegen. Da half auch die gute Stimmung von den Rängen nichts. Und es kam wie es kommen musste. Berbatov (der hässliche Vogel) traf in der 27. Minute, ja es tut weh, hoch verdient, zum 0 zu 1. Buh- und Schmäh-Rufe von den Rängen. Die erste Halbzeit lief an Schalke völlig vorbei.

 

Doch dann, quasi mit dem Halbzeitpfiff, bekam Schalke aus halbrechter Position ca. 20 Meter vor'm Tor, Freistoß. Das war die Minute von Dr. Eisenfuß, the Hammer, Karl Allgöver der Neuzeit. Ja, die Rede ist von Jörg Böhme Fußballgott. Gut schätzen kann ich nicht. Aber es war ungefähr Mach 3 oder sogar 4. Datt Ding schlug oben ein. Butt Butt Butt fragte kurz: „War was??"

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!

Toooooooooooooooooooooooooooooooooooooooor !!!!!

Da war Schalke wieder! Pünktlich zum Halbzeitpfiff. 1 zu 1. 50.000 feierten wie 100.000. Und Rudi Völler (damaliger Teamchef der deutschen Nationalmannschaft) wurde mit dem Lied: „Rudi Völler hast du das gesehen??" begrüßt. Dazu Pils.

 

Dann kam die Halbzeit. Schnell ein paar Becher weggebracht und ein paar neue aufgefüllt. An der Bierbude traf ich zufällig Klaus Fischer. Er fragte mich:" Watt meinste Junge, bringt Doping im Fußball watt???" Ich sagte: "Im Fußball ist Quatsch, in die Spieler muss datt Zeug!"

 

So, Anpfiff zur zweiten Hälfte. Und von da an war es wirklich so. Sitzen war für´n Arsch. Zum einen spielte Schalke auf unser Tor, zum andern bot der Club endlich leidenschaftlichen Offensivfußball. Sitzen war nicht mehr. Stehen war angesagt! Schalke spielt wie entfesselt. Es war einfach nur geil. Dazu kam die großartige Stimmung von den Rängen. Ein Doppelschlag von Viktor Agali (ihr wisst schon: Aaaa gaaa li li li, das Tor das trifft er nie...) in der 69. Minute und Andy Möller in der 71. Minute besiegelten das Schicksal von Leverkusen. Oder wie man spottete: Vizekusen. Das Stadion war blau und noch ein bisschen weißer, weil die wenigen, mitgereisten Leverkusener ihre Taschentücher rausholten. Als Mr. Schalke, Ebbe Sand in Person, in der 84. Minute das 4 zu 1 markierte, war der Kahn endgültig im Hafen.

 

Es hagelte ein Bierdusche nach der anderen von der Tribüne.... Dass Ulf Kissten in der 89. Minute noch den Anschlusstreffer zum 4 zu 2 beisteuerte und Viktor Agali in der 90. Minute mit Rot vom Platz musste interessierte keine Sau mehr. Zu groß war die gigantische Fete auf den Rängen. Von Agalis Roten Karten habe ich, ehrlich gesagt, am nächsten Tag aus der Zeitung erfahren.

 

Das Spiel war aus. Die Vizekusener waren schnell verschwunden und das Stadion war nur noch blau und weiß. Es begann die allergeilste Schalker Siegesfeier die ich in meinem Leben jemals mitgemacht habe. Endlos viele Ehrenrunden der Spieler, endlos viele Pappbecher Bier....dazu die Fangesänge....

 

...... so muss der Himmel sein!

 

Nach zwei drei Stunden ging die Fete im Stadion dem Ende entgegen. Aber wir, und scheinbar auch der Rest, hatten noch lange nicht genug. Die Fete verschob sich in die Stadt. Uns verschlug es ins „Kuhdorf" auf dem Kuhdamm. Und da war es wie am Nachmittag, alles blau und weiß. Und ich hatte den Eindruck, dass wir Bramscher noch ein weinig blauer waren....

 

Tja, an den weitern Verlauf des Abends erinnere ich mich nicht mehr so genau, dafür umso besser an den nächsten Morgen. Scheinbar hatten es alle von uns im Laufe des Abends (oder der Nacht) zurück in den Stall (das Hotel) geschafft. So ging am Morgen das Theater los. Eine Dusche für alle. Und was noch viel schlimmer war, nur ein WC. Es ging sehr organisiert vor sich. Und zwar: Der Reihe nach. Schließlich hatte auch Didi seinen Auftritt. Was er nicht wusste, war, dass die Schüssel am Boden nicht festgeschraubt war. Und so, sagen wir mal, hatte Didi nen` ziemlich harten Seegang....

 

Frühstück gab es auch, für die ganz Harten (Helmut, Günter und Frank) nen` 0,5 Whiskey-Cola von der Ziegen-Hirten-Wirtin. "Phui Teufel" kann ich dazu nur sagen. Eigentlich sagt man ja: Aller Abschied fällt schwer! Dieser hier aber nicht. So sagten wir: Auf Nimmerwiedersehen!

 

Die Heimreise stand an. Die Stimmung im Bus war hervorragend. Wie auf der Hinreise spielte das (ich nenn sie mal) Whiskyquartett Doppelkopf. Ich frag mich bis heute, wie man nach zwei eisenharten Tagen Schützenfest, einen DFB-Pokalsieg mit einer endlos folgenden Nacht noch in der Lage sein kann, den vierten Tag Whisky-Cola zu saufen. Ich schätze mal, die vier Doppelkopfbrüder haben sich 4 Pullen Jim Beam auf der Rückfahrt reingedrückt. Aber kultiviert, denn der Busfahrer musste jede Ausfahrt, an der sich ein McDonald`s befand, raus. Einer der Kartenklopper holte brauchte nämlich Eis. Es ist unglaublich wie viele Filialen von McDonald`s im Osten direkt an der Autobahn liegen. Es war ein interessantes Schauspiel, diese Säufernasen die Rückfahrt über zu beobachten. Dazu Pils....

 

Irgendwann jedoch ging auch die schönste aller Reisen einmal zu Ende. Wir erreichten am Sonntagabend den heimischen Dorfkrug. Der Abend klang, bei gemütlichem Bier und dem ein oder andern Mischgetränk, stilvoll aus.

 

Abschließend kann ich nur sagen, dass das die allergeilste Fahrt in meinem Leben (bis jetzt zumindest) war!! Berlin ist eine Reise wert!

 

 

02.10.2008

 

Carsten Lögering